Schulraumplanung Kriens: Neue Zahlen schaffen Spielraum
Plangemäss hat die Stadt Kriens die Grundlagendaten ihrer Schulraumplanung aktualisieren lassen. Die neuen Zahlen sorgen für Entspannung: Kriens braucht vorerst keine neuen Schulhäuser. Diese Zeit will die Stadt nun nutzen, um in einem bereichsübergreifenden Projekt die Situation in den Quartieren vertieft zu analysieren. Teil dieser Analyse sollen auch Schulräume, Sport- und Grünflächen sowie die Strukturen der familienergänzenden Betreuung sein.
Alle zwei Jahre lässt die Stadt Kriens ihre Schulraumplanung aktualisieren. In diesem Dokument wird die mutmassliche Entwicklung der Schülerzahlen hochgerechnet und aufgezeigt, welche Möglichkeiten es gibt, für diese Schulkinder den benötigten Schulraum bereitzustellen. Vor zwei Jahren wurde in diesem Zusammenhang mit Blick auf die entstehenden neuen Quartiere im Schweighof und Mattenhof konkret darüber nachgedacht, wie gerade in den neuen Quartieren Fragen des Schulraumbedarfs angegangen werden könnten.
Insbesondere im Schulkreis Kuonimatt wuchs damit der Handlungsdruck: Das Quartierschulhaus dort ist in seiner Kapazität begrenzt. Der Schulbetrieb wird durch das bestehende Raumangebot bereits heute eingeengt. Damals wurde ein Wachstum prognostiziert, das einen Schulhausausbau auf 12 Primarklassen, 4 Kindergärten und einen Hort nötig gemacht hätte. Mit den jetzigen Planzahlen wird diese Schulhausgrösse nicht mehr angezeigt.
Weniger Kinder
Nun hat der Stadtrat zu Handen des Einwohnerrates die Schulraumplanung aktualisiert. Und erstmals flossen aus den neuen Quartieren nicht mehr Erfahrungszahlen, sondern tatsächliche Zahlen ein. Denn die neuen Quartiere sind inzwischen bis gegen die Hälfte bezogen, die Bevölkerungsstruktur konkreter fassbar. Hier zeigt sich nun, dass der Kinderanteil viel tiefer ist als bisher angenommen. Im Schweighof ging man bisher von einem mittleren Kinderanteil von 0.5 Kind pro Wohnung aus. Tatsächlich beträgt dieser Wert heute aber 0.15. Und in den beiden nächsten grösseren Überbauungen ist die Prognose der Kinderanteile aufgrund der geplanten Bauten sogar noch tiefer: Im Eichhof West 0.1, im Nidfeld sogar nur noch 0.05. Grund dafür sind die vielen Klein-Wohnungen (2 ½ und 3 ½ Zimmer Wohnungen), die junge Paare oder Einzelpersonen anziehen.
Weniger Schulraumbedarf
Weil inzwischen erste konkrete Zahlen in die Berechnungsmodelle einfliessen konnten, gehen die Planer von einer höheren Verlässlichkeit aus, was die neuen Quartiere betrifft. Konkret bedeutet das, dass vorläufig genügend Schulraum vorhanden ist. Der Handlungsdruck eine neue Schulanlage zu bauen, wie dies aufgrund der 2018 prognostizierten Zahlen anzunehmen war, besteht mittelfristig nicht mehr. Zwar werden die Schülerzahlen weiter steigen. Aber dieser Anstieg kann – von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen – in den bestehenden Schulanlagen aufgefangen werden. Zwei planungstechnische Massnahmen ermöglichen diesen Schritt:
- Die Kinder des neuen Quartiers Schweighof werden nicht mehr automatisch zum Schulkreis Kuonimatt gezählt. Die räumliche Nähe zum Schulhaus Roggern soll als Potenzial genutzt werden.
- Auf der Schulanlage Roggern soll der bestehende Modulbau mit einer doppelstöckigen Modulbaute der Krauerwiese aufgestockt werden. So wird die Schulanlage Kuonimatt kurzfristig entlastet, und im Roggernschulhaus werden zusätzliche Möglichkeiten geschaffen und auf der Krauerwiese wird die Spielfläche wieder grösser.
Mittelfristig bietet sich zudem die Möglichkeit, einen steigenden Bedarf durch die Aufstockung des Sekundarschulhauses Roggern abzudecken.
Keine neue Turnhalle benötigt
Die Raumbedürfnisse, die sich aus der neusten Schulraumplanung ableiten lassen, können weitgehend in bestehenden Räumen abgedeckt werden. Das entlastet nicht zuletzt auch die Stadtfinanzen und betrifft auch die Nachfrage nach Turnhallen. Auch hier zeigt sich, dass es in den bestehenden Hallen künftig noch ein kleines Raumpotenzial geben wird. 101 Stunden oder sieben Stunden pro Woche und Halle werden in den Turnhallen der Stadt Kriens für den Schulbetrieb zur Verfügung stehen. Würde der freie Mittwochnachmittag mitgerechnet, ergibt dies ein zusätzliches Raumpotential. Das ist nicht viel, nimmt aber vorerst den Druck zum Bau einer neuen Turnhalle oder für Einmietungen.
Quartieranalyse soll Klarheit verschaffen
Der Stadtrat will diese Entspannung und die dadurch gewonnene Zeit konkret und nutzbringend einsetzen. Er wird eine themenübergreifende Quartieranalyse in der ersten Jahreshälfte 2020 starten. Diese soll mit Hochdruck umgesetzt werden und auch schulspezifische Fragestellungen aufnehmen. Dabei geht es um Schulräume, um Schulanlagen, Grün-, Spiel- und Freiflächen, aber auch um die Grundfrage, ob das Krienser System mit kleinen Quartierschulhäusern und den heutigen Schulkreisen hinsichtlich Schulsystem und Wirtschaftlichkeit noch zeitgemäss ist und nach wie vor einem Bedürfnis der Bevölkerung entspricht. Dieses Projekt ist ein Kernstück der integralen Quartier- und Stadtentwicklung von Kriens. Die Ergebnisse sollen dem Stadtrat klare Entscheidungsgrundlagen und umsetzbare, praxisorientierte Konzepte geben. Sie werden nachhaltige Lösungsstrategien ermöglichen und offene, dauernd wiederkehrende Themen verbindlich klären. Insbesondere bedeutet dies auch eine Klärung für die zukünftige Rolle und die Entwicklung der Schulanlagen Kuonimatt und Roggern und für die Bau- und Zonenplanrevision.
Der Planungsbericht zur neuen Schulraumplanung wird dem Einwohnerrat für die Mai-Sitzung zur Kenntnisnahme unterbreitet. Der Stadtrat hat entschieden, die Verschiebung des Moduls von der Krauerwiese nach Roggern als Sofortmassnahme in Planung zu geben.