Galerie Kriens: Individuelles Erlebnis der Vielfalt
Die Galerie Kriens zeigt vom 12. Mai - 4. Juni die neusten Werke der Luzerner Künstlerin Graziella Berger. Sie zeigt Prints, Zeichnungen sowie Objekte und thematisiert den Zerfall von Körper und Pflanzen in Raum und Zeit. Dazu lässt sie Pflanzen als Vermittlerin zwischen Mensch, Gedanken, Bildern und Erinnerungen wirken.
Die Luzerner Künstlerin Graziella Berger hatte im Jahr 2000 den Krienser Förderpreis Kultur erhalten. Nach ihrer Ausbildung an der Schule für Gestaltung in Luzern entwickelte sie ihr künstlerisches Profil mit Studienaufenthalten in Glasgow, Düsseldorf und Berlin. Bereits 2013 zeigte sie ihre Werke in Kriens – damals noch in den Teiggi-Räumen. Heute gehört sie zu den etablierten Kunstschaffenden der Region und stellt Werke in Ausstellungen weit über die Zentralschweiz hinaus aus.
Maximale Vielfalt
In ihren Werken für die Ausstellung in Kriens arbeitet Graziella Berger mit fast allen erdenklichen Materialien und Gattungen: Papier und Karton, Blütenblättern und Stoff, Pflanzenteilen und dem eigenen Körper; neben Photographien finden sich Rollen und Kegel aus Karton und Aluminium, Texte und Bilder. Unscharfe Schwarzweiss-Fotos stehen neben Aufnahmen leuchtend farbiger Objekte, beiläufig erscheinende Notate und Skizzen neben abstrakten Zeichnungen aus kräftigen Linien.
Schon diese Vielfalt der hierarchielos gebrauchten Materialien und Medien zeigt, dass es Graziella Berger nicht um eine Reihe von autonomen Arbeiten in einer bestimmten, wiedererkennbaren Handschrift geht. Vielmehr schafft sie mit ihren Installationen, in denen die genannten Elemente auf den ersten Blick beliebig erscheinend nebeneinandergestellt sind, Erlebnisräume, in denen Betrachterin und Betrachter je eigene Erfahrungen machen.
Minimale Handlungen
Ein zentrales Element in dieser Bilderflut ist der Körper der Künstlerin, deren Glieder immer wieder in den Photographien auftauchen: Mal sehen wir den Schattenwurf zweier Unterschenkel, deren Füsse sich an den Zehen berühren; mal bilden ihre Hände vor tiefschwarzem Hintergrund eine bogenartige Form. Auf anderen Fotos sind Partien ihres Körpers so aufgenommen, dass wir lange nicht identifizieren können, ob es sich um den unteren Rücken oder den Halsansatz handelt. Eine dritte Bildergruppe schliesslich führt grundlegende Funktionen der Hände vor, wenn eine Linke eine Pflanze bei den Wurzeln hält oder die Rechte ein Bündel Tücher zusammenfasst.
Bilder von Bildern
Die auf der Handlungsebene festgestellte Mehrschichtigkeit lässt sich auch auf der Ebene des Bildes ausmachen. So arbeitet Berger immer wieder mit dem Mitteln der Collage und Assemblage. Einmal gemachte Fotos wie die mit der Hand an der Pflanzenwurzel oder die aus zwei Händen gebildete Bogenform werden ausgeschnitten, mit anderen Bildern montiert und in einem Rahmen präsentiert oder erneut fotografiert und so die Schnittstellen zwischen den zusammengesetzten Bildteilen ausgelöscht. In der Kombination werden die Bilder um immer neue (Be)Deutungen angereichert, die wir als Betrachterinnen und Betrachter aufnehmen und mitbringen, wenn dieselben Bilder uns an anderer Stelle wiederbegegnen.
Realität, Bild und Abstraktion
Die Wiederkehr und Neukombination der Bilder in der Ausstellung von Graziella Berger macht schon deutlich, dass es darin um eine zeitliche Erfahrung im Raum geht. Denn Betrachterin und Betrachter sehen die Elemente in einer je selbst gestalteten Abfolge, die zu immer neuen und eigenen Schlüssen führt. Die Bilder ändern aber noch auf einer dritten Ebene immer wieder ihren Charakter. Berger arbeitet nämlich ausdrücklich mit der Präsentation von Bildern, wenn sie Fotos und Objekte in flachen Schachteln ausstellt. Nicht allein kann sie diese wie Bilderrahmen konventionell an die Wand hängen, sondern sie können als Objekte auf Konsolen oder den Boden gestellt werden und reihen sich damit ein in die dreidimensionalen Dinge, wie die Kegel und unregelmässigen Körper aus weissem Karton. Darüber hinaus erinnern diese Schachteln auch an die schützenden Behältnisse aus Sammlungen und Archiven und stellen sich damit in einen zeitlichen Ablauf eines Bevor und Danach jenseits der Ausstellung.
Ausstellung KAMINRAUM von Christoph Stehlin
Passend dazu baut Christoph Stehlin im Kaminraum eine zerbrechliche Installation aus Dachlatten. Christoph Stehlin präsentiert inspiriert vom schmächtig beleuchteten Kaminraum eine Konstruktion, welche mit einem Minimum an Material (Dachlatten und Schrauben) auskommt. Er will seine Lattenkonstruktion in die Höhe bauen. Dabei soll die Installation aber bewusst so zerbrechlich bleiben, dass der Raum gar nicht betreten werden darf und der Künstler gar jede Haftung ablehnt.
Neben der Vernissage am Freitag, 12. Mai (um 19 Uhr) bietet der Ausstellungsrundgang mit Judith Huber, Brigitta Würsch und Graziella Berger am 21 Mai um 15 Uhr eine ideale Gelegenheit, weitere Sichtweisen auf die Kunstwerke kennenzulernen.