Navigieren in Kriens

Neue Nutzung für Gemeindehaus: «Klarer Mehrwert!»

An seiner Juni-Sitzung wird der Krienser Einwohnerrat über den Vorschlag debattieren, das Gemeindehaus im Baurecht abzugeben, um dort altersgerechten Wohnraum zu schaffen. Für Stadtrat Roger Erni ist klar: «Das wäre für Kriens ein klarer Mehrwert. Wegen der neuen Nutzung, aber auch mit Blick auf unsere Immobilien- und Altersstrategie,» wie Stadtrat Roger Erni im Interview erklärt.

Der Stadtrat schlägt vor, das alte Krienser Gemeindehaus für Wohnen im Alter zu nutzen. Wie kam es zu diesem Vorschlag?

«Im Lindenpark haben wir im Rahmen der Zentrumsentwicklung ein neues Angebot geschaffen, das altersgerechte Wohnformen schaffte. Diese Wohnungen waren alle sehr schnell vermietet. Die Nachfrage ist ungebrochen gross. Die Betreiberin des Lindenparks suchte deshalb nach Möglichkeiten, wie diese abgedeckt werden könnte.»

Die Stadt wollte das Haus ja zuerst an Kreative und Unternehmen vermieten und so Mietertrag erzielen. Warum hat das nicht geklappt?

«Vielleicht muss man das anders formulieren: Vermieten war eine Idee. Es gab aber auch viele andere Ideen. Diese konnten jedoch nicht rechtzeitig realisiert werden, weil dies doch beträchtliche Investitionen seitens der Stadt als Hausbesitzerin vorausgesetzt hätte. In der damaligen Situation des budgetlosen Zustandes musste das Projekt gestoppt werden, was für mögliche Mietende natürlich keine Planungssicherheit mehr bot.»

Da kam die Anfrage für Wohnen im Alter wie gerufen?

«Das lief ja alles irgendwie parallel. Heute müsste ich sagen: Zum Glück! Am Ende kommt alles so, wie es muss.»

Warum?

«Im Mittelpunkt stand für den Stadtrat die zukünftige Nutzung eines Gebäudes, das in Kriens eine lange Geschichte hat. Dass wir diese Geschichte jetzt fortsetzen und um ein weiteres Kapitel ergänzen können, ist eine Chance, von der das Krienser Zentrum profitieren wird. Zumal der Standort direkt nehmen dem Lindenpark geradezu modellhaft ist. Die architektonische Spannbreite alt-neu lebt quasi in der Nutzung weiter. Und wir können das denkmalgeschützte Gebäude von seinem Erscheinungsbild so erhalten, wie es sich gehört. Mit Respekt vor der Vergangenheit und dem Mut für neues wie etwa der ‘Senioren-WG’, die jetzt im Gemeinderatssaal angedacht ist! Und mit der GWAK haben wir einen seriösen, zuverlässigen Partner gefunden.»

Die Abgabe erfolgt «im Baurecht». Wie kann man das erklären?

«Wir stellen der Lindenpark-Betreiberin das Gemeindehaus für 92 Jahre zur Verfügung. Die Stadt verzichtet in dieser Zeit auf eine eigene Nutzung, das Grundstück gehört weiterhin der Stadt und bleibt mit seiner historischen Bausubstanz erhalten.»

Die Investitionen für die neue Nutzung tätigt aber nicht die Stadt?

«Das ist die Idee der Abgabe im Baurecht. Diese Investitionen tätigt die Lindenpark-Betreiberin ‘Genossenschaft Wohnen im Alter Kriens’. Der Baurechtszins und die Einmalzahlung für das Gebäude sind so festgelegt, dass die GWAK die nötigen Investitionen von etwas über 2 Millionen Franken sinnvoll amortisieren kann. Das deckt sich auch mit unserer Immobilienstrategie, dass sich die Stadt in erster Linie dort selber engagiert, wo sie auch direkte Nutzerin ist.»

Die GWAK kann mit dem Gebäude in dieser Zeit machen, was sie will?

«Es ist der Bestimmungszweck der GWAK, dass sie altersgerechte Wohnformen anbietet. Das ist die Basis des jetzt vorliegenden Konzeptes. Und sie hat sich verpflichtet, die denkmalschützerischen Aspekte einzuhalten. Vor diesem Hintergrund ist die GWAK effektiv frei.»

Was passiert nach diesen 92 Jahren?

«Dieser Planungshorizont ist natürlich sehr weit. Wer von uns weiss schon, wie die Welt dann aussieht! Selbstverständlich würde man rechtzeitig wieder miteinander an den Tisch sitzen und über die Zukunft reden. Festgelegt ist, dass die Stadt nach Ablauf dieser 92 Jahre ein Gebäude an diesem Ort übernehmen kann, das nach dannzumaligen Vorstellungen dem heutigen Wert entspricht.»

Und wenn es die GWAK plötzlich nicht mehr gibt? Ist das ein Risiko für die Stadt?

«Nein, das wird im Baurecht mit der Heimfall-Regelung geklärt und stellt für Kriens kein Risiko dar.»

Stimmt das Geschäft für die Stadt trotzdem?

«Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht absolut, das haben wir durch externe Fachleute bestätigen lassen. Ob das die Politik auch so beurteilt, wird eine der Fragen sein, die wir mit dem Einwohnerrat in der Debatte besprechen werden. Wir sind aber der Meinung, dass das Projekt sowohl in die Immobilienstrategie der Stadt als auch in die Altersstrategie passt.»

Wieviel Gewinn macht die Stadt?

«Die neue Nutzung wäre ein klarer Mehrwert fürs Zentrum. Die Aufwertung des Zentrums lässt sich kaum in Franken und Rappen formulieren. Dazu kommt die kulturhistorische Bedeutung, wenn das Gemeindehaus als solches erhalten bleibt. Der Verkauf der Liegenschaft hätte möglicherweise einen Buch-Gewinn abgeworfen. Das aber wäre wohl politisch ein Unding gewesen. Er war im Stadtrat deshalb nie ein ernsthaftes Thema.»

Der Gemeinderatssaal wird zum Mittelpunkt einer Senioren-WG. Als Trauungslokal kann er damit nicht mehr genutzt werden. Bedauern Sie das?

«Das war der Kompromiss, den wir eingehen mussten. Denn wir sahen bei der Abklärung der Machbarkeit, dass dies nicht mehr realistisch war. Aber wir haben in Kriens ja mit dem Schloss Schauensee und dem Stadthaus zwei Trauungslokale, die repräsentativ sind, und unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Da scheint uns dies vertretbar – gemessen am Mehrwert, den wir mit dem Projekt insgesamt erreichen würden.»

Wie geht es jetzt weiter?

«Zuerst wird der Einwohnerrat darüber debattieren. Stimmt er dem Geschäft zu, wird die GWAK darüber befinden. Und erst wenn auch dort ein Ja kommt, können wir uns an die Umsetzung machen.»

 

zur Liste