Lichtkünstler Hofstetter: «Verliebt ins fliegende Schloss»
Am 13. Dezember inszeniert der bekannte Lichtkünstler Gerry Hofstetter das Schloss Schauensee im Licht. Er zeigt im Gespräch auf, was ihn an der Idee reizte. Und warum er überhaupt die Idee dazu entwickelte.
Wie kommt jemand wie Sie überhaupt dazu, das Schloss Schauensee in Kriens zu beleuchten?
«Das Geschäft, die Nachhaltigkeit und ein bisschen Zufall. Das waren wohl die wichtigsten Treiber.»
Beginnen wir beim Geschäft …
«Ich organisiere seit 10 Jahren zusammen mit Luzern Tourismus das Eisfeld-Projekt «Live on Ice» beim Luzerner KKL. Um dort eine weihnachtliche Atmosphäre hinzubekommen, brauchen wir auch jede Menge von Christbäumen. Diese kamen bis letztes Jahr aus der Ostschweiz. Nun widerspricht es meiner Haltung, für diesen Zweck Bäume abzuholzen. Auch der Transport störte mich, das ist nicht nachhaltig. Also setzen wir Christbäume im Topf ein. Bis ich erfuhr, dass in Kriens die Gärtnerei Niederberger solche eingetopften Christbäume anbietet. Solche Krienser Bäume stehen jetzt vor dem KKL – und gehen nach dem Anlass wieder dahin zurück.»
Und das Schloss?
«Als ich für die erste Besprechungen in der Gärtnerei Niederberger stand, habe ich mich Hals über Kopf ins Schloss Schauensee verliebt. Die Szenerie ist einmalig. Denn von dort unten ist der Winkel so steil, dass das Schloss förmlich über der Landschaft zu fliegen scheint. Diese Kulisse war für mich wie ein Gemälde. Schon als ich von dort wegfuhr, hatte ich den Plan: Das möchte ich mal inszenieren. Je mehr ich über dieses Wahrzeichen von Kriens las, umso höher schlug mein Herz. Ich wohne heute zwar in Zürich, habe als Entlebucher aber doch auch Innerschweizer Blut.»
OK. Geschäft hatten wir. Und Nachhaltigkeit auch ein bisschen…
«Ja klar, aber da müsste ich schon etwas mehr sagen. Ich liebe die Berge und die Natur. Deshalb thematisiere ich das auch mit vielen meiner Aktionen. Ich dokumentiere den Klimawandel und habe dafür schon sehr viele abenteuerliche Reisen unternommen. Der Umgang mit diesen Ressourcen scheint mir in der heutigen Zeit enorm wichtig zu sein.»
Und der Zufall?
«Es ist ja nicht so, dass man einfach Gebäude mal so schnell anleuchten darf. Das braucht Planung, braucht eine Idee und Geräte. Vorallem aber braucht es eine Vision dahinter. Und mit meiner Anfrage bei der Stadt fand ich sofort Leute, welche die Chancen dahinter erkannten. Für die Wahrnehmung der Stadt, für das Ortsmarketing, fürs Schloss. Und vorallem für die Menschen in Kriens. Das nenne ich Zufall. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass man dann auf Menschen trifft, welche zuerst die Chancen in einem Projekt sehen.»
Wo sehen Sie die Chance für Kriens?
«Das Schloss Schauensee hat eine so facettenreiche, lebendige Geschichte. Es fasziniert mich, dieses Stück Krienser Kultur und Tradition mit Licht zu bespielen. Gerade die Kombination daraus – der historische, jahrhundertealte Bau und das ultraschnelle Medium Licht – macht es so spannend. Ich finde es faszinierend, wenn man das Wahrzeichen seiner Stadt mal in einem anderen Licht sieht. Dass ich dieses Licht in dieser speziellen Zeit und an diesem speziellen Tag von Santa Lucia nach Kriens bringen kann, freut mich. Die Chance ist sicher, dass ich ein zeitlich befristetes Kunstwerk kreiere, das ohne teure Bauten und Veränderungen auskommt. Und dass ich Bilderwelten schaffe, die von der ganzen Bevölkerung kostenlos betrachtet und von der Stadt in der Vermarktung des Schlosses eingesetzt werden können.»
Welche Bilder wird man am 13. Dezember sehen?
«Kommen Sie. Schauen Sie, staunen Sie! Das Schloss und der Schlosshügel eigenen sich ausgesprochen gut, um beleuchtet zu werden. Es wird eine Spielerei mit Farben und Formen geben. Mit hohem Bezug zu Kriens und zum Schloss.»
Welches ist der beste Zeitpunkt?
«Zwischen 17 und 20 Uhr zeigen wir eine bestimmte Zahl von Sujets, die immer wieder gezeigt werden. Das bietet die Chance, dass man auch etwas davon hat, wenn man erst um 19 Uhr nach Hause kommt. Oder dass man das Kunstwerk aus verschiedenen Perspektiven anschaut.»
Stichwort Perspektiven. Von wo aus wird man das am besten sehen?
«Grundsätzlich sieht man das von überall dort, wo man auch das Schloss sieht. Um die vollen Lichteffekte zu sehen und eben auch die Sujets gut zu erkennen, kann man sich in Gedanken eine Linie ziehen zwischen dem Schloss und der Talstation der Pilatusbahn machen. In der Verlängerung dieser Linie wird das Lichterspektakel optimal zu sehen sein. Je grösser der Winkel ist, desto mehr nimmt die Wirkung ab. Das hat mit den physikalischen Gesetzmässigkeiten zu tun. Kriens hat mit dem Sonnenberg aber so etwas wie eine Naturtribüne. Das ist gerade in der aktuellen Situation ein unschätzbarer Vorteil. Es gibt keinen fixen Ort, den man aufsuchen muss.»
Und mit dem Wetter?
«Die Gefahr, dass das Schloss im Dezember im faustdicken Nebel verschwindet, ist eher klein. Viele andere Wettergründe können dem Lichterspektakel nicht im Weg stehen.»
Und wenn doch?
«Versprochen: Dann komme ich an einem anderen Abend nochmal. Wie gesagt: Ich habe mich ins Schloss verliebt!»
Was passiert bei dichtem Schneelfall?
«Das macht zwar das Fotografieren schwieriger. Aber sichtbar ist das Spektakel auch dann. Ich finde, dass Lichtprojektionen auch dann ihren Reiz haben.»
Wie wird das technisch gelöst?
«Wir werden mit einem Fahrzeug in Kriens sein, in dem das ganze Equipment verstaut ist. Ich habe schon Projektionen aus einer Distanz über 7 Kilometer gemacht. Da ist die Distanz hier geradezu klein. Wir müssen also keinen grossen Aufwand betreiben im Vergleich zu anderen Projekten. Hier in Kriens geht es in erster Linie darum, den Leuten eine Freude zu machen.»
Bei anderen Projekten nicht?
«Irgendwie immer, doch. Aber viele meiner Projekte haben eben auch einen enorm ernsten Hintergrund. Meine Expeditionen zu Eisbergen, in die Wüste und in die Berge sind für mich die wahren Herzensgeschichten. Diese Reisen halten wir mit meiner Filmproduktionsfirma und mit Fotografien fest. Denn über den Klimawandel, den Schwund der Eisberge und Gletscher sowie die Ausweitung der Wüste muss unbedingt berichtet werden. Arktis und Antarktis sind mit den Regenwäldern zusammen die Lunge und das Herz der Erde. Wenn diese nicht mehr existieren, dann sind wir verloren. Und genau dies will ich auf eine kunstvolle Art zeigen.»
Und welche Botschaft haben Sie mit dem Projekt in Kriens?
«Eigentlich keine Botschaft. Oder doch. Ich war in meinem Leben schon in fast 90 Ländern. Und immer wieder merke ich, wie schön wir es doch bei uns haben. Es ist nicht alles perfekt. Aber wir leben trotzdem in einer guten Art in so etwas wie einem Paradies. Vielleicht bringt das Licht aufs Schloss den Fokus auch mal auf solche Gedanken. Aber das ist eben gerade faszinierend: Licht ist nicht zu hören und nicht zu riechen. Da bleibt der Fantasie der Betrachtenden unerhört viel Spielraum. Es wäre schön, wenn das viele Menschen in Kriens nutzen würden. Nicht nur am 13. Dezember – aber dann ganz besonders. Untermalt von einem farbigen Schlössli!»
Gerry Hofstetter
- KV-Lehre, Betriebsökonom, Leiter Investment Banking, Helikopterpilot
- Militärkarriere als Hauptmann bei den Gebirgsgrenadieren, Trainer ausländischer Eliteeinheiten
- Heute Inhaber einer Firma für Lichtkunst, Events, Design und Filmproduktionen, mit Filiale in Hollywood
- Junioren-Schweizermeister im Kunstturnen, Mitglied Nationalmannschaft im militärischen Fünfkampf