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Warum alte Gestaltungspläne verschwinden

Rund 150 Gestaltungs- und Bebauungspläne waren für die bauliche Entwicklung von Kriens massgebend. Im Rahmen der Ortsplanungsrevision werden viele davon überprüft und ein Grossteil aufgehoben. Warum das nötig ist und weshalb die Qualitäten bestehender Quartiere trotzdem erhalten bleiben, zeigt das Beispiel Feldhöfli in Obernau.

Das Feldhöfli in Obernau gilt als Beispiel dafür, wie Gestaltungspläne die Entwicklung eines Quartiers langfristig prägen können.

Ruhig, grün, lebenswert. Wer heute durchs Feldhöfli in Obernau spaziert, erlebt ein Quartier, das auch fast 40 Jahre nach seiner Entstehung als Einheit wirkt. Kaum sichtbar ist dabei, wie viel Planung hinter diesem Bild steckt. Schon Mitte der 1980er-Jahre wurde für das Gebiet ein Gestaltungsplan erarbeitet. Er legte fest, wie das künftige Quartier aussehen und funktionieren sollte.
Auf den Plänen fanden sich Mehrfamilienhäuser, Reihenhäuser, ein Dorfplatz und Spielplätze. Die ursprüngliche Idee ist bis heute klar erkennbar. Das meiste wurde so oder ähnlich umgesetzt und prägt das Quartier. Das Feldhöfli zeigt beispielhaft, welche wichtige Rolle Gestaltungspläne für die Entwicklung eines Quartiers spielen und weshalb viele dieser Pläne auf dem Prüfstand sind.

Qualitätssicherung als Ziel
Gestaltungspläne dienen der Qualitätssicherung. Sie ergänzen die Bau- und Zonenordnung und ermöglichen es, grössere oder komplexe Bauvorhaben gezielt zu steuern. Neben der Anordnung von Gebäuden werden häufig auch Erschliessung, Freiräume, Begrünung oder architektonische Vorgaben geregelt. Im Feldhöfli wurden beispielsweise Dachformen, Fassadenmaterialien und die Begrünung verbindlich festgelegt.
Im Rahmen der Ortsplanungsrevision überprüft die Stadt Kriens aktuell sämtliche Sondernutzungspläne. Dazu gehören sowohl Gestaltungspläne als auch Bebauungspläne. Insgesamt existieren heute fast 150 solcher Planungen.
Hintergrund ist die Revision des kantonalen Planungs- und Baugesetzes. Seit 2014 gelten neue Baubegriffe und Messweisen. Viele ältere Sondernutzungspläne basieren noch auf den früheren Regelungen und sind nicht mehr mit dem heutigen Recht abgestimmt. Die klare Mehrheit der Pläne betrifft zudem Quartiere, die längst gebaut sind und deren ursprünglicher Planungszweck erfüllt ist. Teilweise existieren in Kriens sogar noch Sondernutzungspläne aus den 1930er-Jahren.

Ersatz durch heutige Nutzungsplanung
Voraussichtlich werden rund drei Viertel aller bestehenden Sondernutzungspläne aufgehoben. Viele davon sind altrechtlich, vollständig umgesetzt oder können durch die heutige Nutzungsplanung ersetzt werden. Wo weiterhin Regelungsbedarf besteht, werden wichtige Bestimmungen in neue Instrumente überführt oder mit zusätzlichen Vorschriften gesichert.
«Viele Gestaltungspläne stammen aus einer Zeit, in der andere gesetzliche Vorgaben galten. Mit der Ortsplanungsrevision schaffen wir ein neues Planungsrecht und stellen gleichzeitig sicher, dass die Qualitäten unserer Quartiere erhalten bleiben», sagt Stadtrat Maurus Frey.» Die Aufhebung eines Gestaltungsplans bedeutet deshalb nicht, dass ein Quartier seinen Charakter verliert. Bei jeder Planung wird geprüft, welche Regelungen weiterhin im öffentlichen Interesse liegen und wie sie erhalten werden können. Die Grundeigentümer sind dazu angehalten, Bestimmungen im privaten Interesse, welche aus privater Sicht weiterhin gelten sollen, privatrechtlich mit einer Dienstbarkeit zu sichern. Im Rahmen der öffentlichen Mitwirkung wird eine Liste mit allen Gestaltungsplänen, die aufgehoben werden sollen, aufgeführt. 

Plan hat den Zweck erfüllt
Auch beim Feldhöfli ist genau dieser Weg vorgesehen. Der Gestaltungsplan soll voraussichtlich aufgehoben werden, weil das Quartier gebaut ist und der Plan seinen Zweck erfüllt hat. Gleichzeitig werden wichtige Qualitäten gesichert. Für das Gebiet gelten wie auch im Rest der Stadt künftig besondere Bestimmungen für Reihenhäuser. Zudem werden bestehende Baubereiche und Höhenkoten übernommen. Ergänzend soll eine Erhaltungs- und Erneuerungszone den Charakter der Überbauung und die Qualität der Aussenräume bewahren. 
«Wer durchs Feldhöfli geht, sieht, dass die ursprüngliche Idee bis heute funktioniert. Genau solche Qualitäten wollen wir auch künftig fördern», sagt Maurus Frey. In der ruhigen und grünen Siedlung im Obernau wird der ursprüngliche Gestaltungsplan bald Geschichte sein. Sichtbar verändern dürfte sich das Quartier dadurch kaum. Vielmehr wird die Entwicklung dieses und anderer Quartiere in Zukunft durch die Instrumente der Raumplanung begleitet.
 

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