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«Heute für die Zukunft mitgestalten»

Im Interview erklärt Stadtpräsidentin Christine Kaufmann-Wolf, welche Rolle das Stadtentwicklungskonzept für die künftige Entwicklung von Kriens spielt.

Im Juli hat der Stadtrat das Stadtentwicklungskonzept Kriens 2045 verabschiedet. Weshalb braucht Kriens ein solches Konzept?
Unsere Stadt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, und zwar räumlich, gesellschaftlich und ökologisch. Das spüren wir jeden Tag: Die Bevölkerung wächst, die Quartiere entwickeln sich unterschiedlich; globale Herausforderungen wie Klimawandel oder Digitalisierung sind auch bei uns spürbar. Das Stadtentwicklungskonzept (STEK) hilft uns, diesen Wandel aktiv und vorausschauend zu gestalten.

Welche Rolle spielt das STEK für die Bevölkerung von Kriens?
Das STEK ist ein strategischer Kompass für die Zukunft von Kriens und damit auch für alle Krienserinnen und Krienser. Im Zentrum stehen ihre Bedürfnisse: Wo entstehen neue Treffpunkte? Welche Angebote braucht es im Quartier? Wie bleibt Wohnen bezahlbar und die Mobilität alltagstauglich? Das Konzept sorgt dafür, dass bei allen künftigen Entwicklungen eine gemeinsame Richtung erkennbar bleibt. Es bietet einen Orientierungsrahmen für Verwaltung, Politik, Investoren, aber auch für die Menschen, die hier leben.

Was sind die zentralen Elemente des Stadtentwicklungskonzepts?
Das Konzept beinhaltet zwei zentrale Instrumente, die Stadtteilanalysen und das Stadtentwicklungsleitbild. Für die Stadtteilanalysen wurden zahlreiche Daten analysiert. Dadurch konnten wir ein faktenbasiertes Bild der aktuellen Situation schaffen. Sie zeigen auf, wie sich Quartiere und Stadtteile unterscheiden, etwa bei der Bevölkerungsstruktur, beim Zugang zu Grünräumen, beim Wohnangebot oder bei der Nahversorgung. Daraus lassen sich konkrete Herausforderungen und Potenziale ableiten. Das Stadtentwicklungsleitbild wiederum beschreibt unsere langfristige Vision: Es zeigt, in welche Richtung sich Kriens bis 2045 entwickeln soll. Im Zentrum stehen vier Handlungsfelder: die Förderung einer polyzentrischen Stadtstruktur, die Stärkung der öffentlichen Frei- und Grünräume, eine aktive Wohnraumentwicklung und die Positionierung attraktiver Arbeitsgebiete.

Was bedeutet eine polyzentrische Stadtstruktur konkret für Kriens?
Dass Kriens nicht nur ein Zentrum, sondern mehrere lebendige, gut versorgte Stadtteile mit eigenem Charakter, Stärken und Angeboten hat. Die Idee ist, dass viele Dinge des Alltags in Gehdistanz erreichbar sind: Schule, Einkauf, Erholung, idealerweise auch der Arbeitsplatz. Diese «Stadt der kurzen Wege» fördert die Lebensqualität, reduziert Verkehr und stärkt die Identifikation mit dem Quartier resp. dem Stadtteil.
In Kriens Mitte zum Beispiel verbinden sich historisches Erbe, Kultur und neue städtebauliche Impulse, zum Beispiel durch das Schappe Kulturquadrat oder das geplante Bell-Areal. In Kriens Süd entsteht mit Mattenhof und Pilatus Arena ein urbanes Zentrum mit grosser wirtschaftlicher Bedeutung. Und auch Kriens Nord und West haben ihre eigenen, klaren Identitäten, die wir gezielt stärken wollen.

Wie wurde die Bevölkerung bei der Erarbeitung des Konzepts einbezogen?
Eine Stadt kann sich nicht ohne die Menschen entwickeln, die in ihr leben. Deshalb war die Mitwirkung der Bevölkerung für uns von Anfang an wichtig. Im Frühsommer 2023 führten wir eine Bevölkerungsbefragung durch, um herauszufinden, wie Krienserinnen und Krienser ihre Stadt wahrnehmen. Diese Erkenntnisse flossen in die Stadtteilanalysen ein. Für die Erarbeitung des Leitbilds fanden im Herbst 2024 und Frühjahr 2025 Workshops mit Vertreterinnen und Vertretern von Quartiervereinen, Parteien, Genossenschaften, Wirtschaft, Kirche, Verwaltung und Politik statt. Von Mai bis Juni 2025 konnten sich zudem alle Interessierten im Rahmen einer öffentlichen Mitwirkung zum Entwurf äussern. Besonders zum Thema Wohnraum erhielten wir kritische, aber konstruktive Rückmeldungen. Diese haben wir – wo möglich und sinnvoll – ins Leitbild integriert.

Und wie geht es jetzt weiter?
Mit der Verabschiedung des Stadtentwicklungskonzepts hat der Stadtrat einen wichtigen Grundstein gelegt. Jetzt geht es an die Umsetzung. Diese erfolgt schrittweise, in Projekten, in der Planung, aber auch in der alltäglichen Verwaltungsarbeit. Gleichzeitig können wir auf Basis der Stadtteilanalysen Entwicklungen frühzeitig erkennen und gezielt reagieren. 

Was ist Ihnen persönlich bei der Stadtentwicklung wichtig?
Dass Kriens eine Stadt bleibt, die offen, lernfähig und vernetzt ist. Stadtentwicklung ist keine rein technische Aufgabe, sondern ein gemeinsam anzupackender Prozess. Es braucht das Engagement von Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Vereinen und der Bevölkerung. Wir alle können mitgestalten und bereits heute dazu beitragen, dass Kriens auch 2045 eine lebenswerte und zukunftsfähige Stadt ist.

 

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