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Schliessung Bahnübergänge: Der Stadtrat begründet seine Beschwerde

Einer der Bahnübergänge, die geschlossen werden sollen.

«Eine bessere Lösung braucht etwas mehr Zeit»

Am Dienstag hat die Stadt Kriens beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde eingereicht gegen den Entscheid des Bundesamtes für Verkehr, die bestehenden Bahnübergänge Wegmattstrasse sowie Horwer-/ Krienserstrasse zu schliessen. Stadtrat Matthias Senn, Vorsteher des Bau- und Umweltdepartementes, begründet die Beschwerde und sagt, warum der Umweg über die geplante Alternative Wegmatt nicht zumutbar ist.

Sie fechten einen Entscheid an, mit dem die Zentralbahn zwei Niveauübergänge bei der Zentralbahn durch eine Unterführung ersetzen will. Ist die Stadt Kriens gegen diese neue Unterführung?

«Im Gegenteil: Wir begrüssen alle Massnahmen in diesem Bereich, die dem Fuss- und Veloverkehr dienen. Und das wird eine solche Unterführung zweifellos tun. Aber wir sind dagegen, dass man ein Quartier entzweischneidet, ohne dass dafür ein Sachzwang besteht und ohne dass man dafür vernünftige Alternativen anbietet.»

Die geplante neue Unterführung wäre ja eben gerade die Alternative.

«Sie ist eine Ergänzung – aber nicht die Alternative zu den Niveauübergängen. Denn mit dieser Lösung würde sich für die Menschen auf diesen Strecken der Weg um bis zu 8 Minuten verlängern. Wir sind der Meinung, dass es sinnvollere Möglichkeiten gibt. So wie jetzt angedacht, finden wir die Wege für die Bevölkerung nicht zumutbar.»

Die Schliessung steht im Konflikt zwischen immer dichteren Fahrplänen und dem Wunsch nach guten quartierinternen Verbindungen. Die Zentralbahn fürchtet um die Sicherheit des Bahnbetriebes, weil Übergänge auf solchen Nebenwegen trotz geschlossener Barriere genutzt würden.

«Sowas liesse sich lösen, keine Frage. Man kann bei Barrieren einen Übersteigeschutz einbauen. Wenn jemand bereit ist, eine geschlossene Barriere zu umgehen, dann will er auf kürzestem Weg die Geleise überqueren. Und dann tut er das erst recht, wenn die nächste Unterführung einige hundert Meter entfernt ist. Gerade diese Argumentation zeigt ja, dass die Bahnübergänge aus betrieblichen Gründen geschlossen werden sollen. Die Anliegen der Stadt Kriens und der Quartierbevölkerung wurden bei der Entscheidungsfindung ebenso wenig berücksichtigt wie bei der ersten Einsprache an das Bundesamt für Verkehr. Das wollen wir jetzt korrigieren.»

Bahnübergänge können aber bei immer dichteren Fahrplänen ein Problem darstellen. So argumentiert die Zentralbahn.

«Die Leute dort werden Wartezeiten in Kauf nehmen, das scheint unausweichlich. Und es ist auch etwas der Preis für immer dichtere Fahrpläne, von denen wir alle profitieren. Letztlich aber ist auch uns klar, dass Niveauübergänge bei dieser Dichte des Fahrplans mittelfristig kaum zu halten sein werden.»

Was ist ihr Vorschlag?

«Wir wollen in erster Linie mehr Zeit. Und zwar mehr Zeit, um sinnvolle Alternativen zu entwickeln. Sinnvoll bedeutet, dass Querungen am richtigen Ort und in der richtigen Art gebaut werden. Nämlich so, dass sie keine Erschwernisse schaffen, sondern Erleichterungen bringen und Verbindungen sicherstellen.»

Die geplante neue Unterführung Wegmatt ist Teil des Ausbauprojektes dieses Streckenabschnittes. Der gleichzeitige Bau ist eine Bedingung.

«Die Unterführung Wegmatt kann nach Meinung des Stadtrats Kriens gebaut werden, es ist eine neue Querungsmöglichkeit in diesem Bereich, die wir begrüssen. Es braucht aber mindestens eine Querung im Bereich Krienser-, Horwer-, Wegmattstrasse, sei es mit den bestehenden Niveauübergängen, sei es mit einer neuen Über- oder einer Unterführung. Mit der Beschwerde gewinnen wir Zeit und Rechtssicherheit»

Auch wenn sie damit in Kauf nehmen, dass dann auch die Unterführung Wegmatt nicht gebaut werden könnte?

«Wir haben uns den Entscheid nicht leicht gemacht und haben versucht, wirklich alle Argumente abzuwägen – auch das Risiko von Bauverzögerungen. In der Beschwerde wird explizit erwähnt, dass sie sich nicht gegen den Bau der Unterführung Wegmatt richtet. Letztlich aber kamen wir zum Schluss, dass wir uns die Zeit verschaffen wollen, um eine wirklich gute Lösung zu finden. Wir sind intensiv daran, hier mit konstruktiven Beiträgen mitzuarbeiten. Wir machen das im Interesse der Quartierbevölkerung in diesem Gebiet.»

Dass Horw von diesem Entscheid wenig begeistert ist, verstehen Sie?

«Wir pflegen zu Horw ein sehr freundschaftliches Verhältnis und gehen viele Fragen gemeinsam an. Das ist auch richtig so. Wir haben sogar für den Unterhalt dieser Bahnübergänge gemeinsame Vereinbarungen. Das kommt ja nicht von ungefähr, handelt es sich doch beim Übergang Krienser-/Horwerstrasse sogar um eine historisch gewachsene Dorfachse. Die Achse dient also als Verbindung, stellt aber auch die schnellste Verbindung sicher etwa zu den Bus-Stationen. Mit einem aus unserer Sicht übereilten Schliessungsentscheid ohne vernünftige Alternativen würden alle Beteiligten hier mehr verlieren als gewinnen.»